Fed warnte Banken vor Mythos-Modell und bekam selbst monatelang keinen Zugang
Mindestens drei Monate lang hatte die US-Notenbank keinen Zugang zu Claude Mythos Preview, dem Cybersicherheits-Modell von Anthropic. Das berichtet CNBC unter Berufung auf eine Senatsanhörung vom 15. Juli.
Pikant daran: Im April hatte die Fed gemeinsam mit dem Finanzministerium die Chefs der größten US-Banken zu einer außerordentlichen Sitzung geladen, um vor genau diesem Modell zu warnen. Es könne, so die Sorge damals, zur beispiellosen Cyber-Gefahr für den Finanzsektor werden.
Der Hintergrund: Mythos Preview findet Software-Schwachstellen nach Anthropic-Angaben besser als alle außer den besten menschlichen Spezialisten. Das Unternehmen berichtet von Tausenden gefundenen schweren Lücken, darunter Zero-Day-Lücken in allen großen Betriebssystemen und Browsern. Frei verkauft wird das Modell deshalb nicht.
Der Zugang läuft über ein geschlossenes Programm namens Project Glasswing: elf Launch-Partner zum Start im April, darunter JPMorgan Chase, Apple, Google und Amazon Web Services, dazu über 40 weitere Organisationen. Im Juni kamen mehr als 150 hinzu, verteilt über 15 Länder. Die Fed war nicht darunter.
Notenbankchef Kevin Warsh sagte dem Senat, er bemühe sich weiter um Zugang, für die Fed wie für andere Institute: „Wir sind nicht diejenigen, die entscheiden, wer Zugang bekommt.“ Wer entscheidet es dann? Genau da wird es unübersichtlich.
Im Juni musste Anthropic den Zugang zu Mythos 5 und Fable 5 wegen einer Exportkontroll-Anweisung der US-Regierung zeitweise sperren. Handelsminister Howard Lutnick erlaubte anschließend ausgewählten Partnern per Brief die Rückkehr, später fielen die Auflagen komplett. Der Direktor der zuständigen KI-Standards-Behörde CAISI trat nach nur drei Monaten im Amt zurück. Eine Behörde, die vor einem Werkzeug warnt und es dann monatelang nicht selbst nutzen darf — das darf man bemerkenswert finden.
Druck kommt gleichzeitig von außen: Chinas offene Modelle holen auf, Moonshots Kimi K3 schlägt US-Spitzenmodelle in einzelnen Benchmarks. Der frühere KI-Beauftragte des Weißen Hauses, David Sacks, nannte das besorgniserregend; Amerika verheddere sich in den eigenen Regeln.
Parallel verhandelt Washington gerade eine freiwillige 30-Tage-Vorabprüfung neuer Spitzenmodelle, ebenfalls ohne klares Verfahren, wer am Ende worüber entscheidet. Ob die Fed inzwischen Zugang hat, ist offen: Gegenüber CNBC wollte sie sich nicht äußern, Anthropic reagierte zunächst nicht auf Anfragen.
Einfach erklärt
Faktencheck & Quellen
Gefunden über: Sammler-Dossier (CNBC via Google-News-Feed)
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- CNBC89Redaktionsmedium · 81/82 bestanden
- Anthropic: Project Glasswing (offiziell)86Offizieller Kanal · 34/34 bestanden
- The Register90Redaktionsmedium · 7/7 bestanden
- Gegencheck: Fed lehnte Stellungnahme gegenüber CNBC ab; Anthropic reagierte zunächst nicht, die Glasswing-Seite nennt die Fed nicht (Stand 22.07.2026)
