Vierter DSA-Vorwurf gegen TikTok: Konten von Minderjährigen stehen offen
Die EU-Kommission hat TikTok am 24. Juli 2026 vorläufige Feststellungen nach dem Digital Services Act übermittelt. Es ist das vierte Vorwurfspaket gegen die Plattform in rund zwei Jahren.
Der Kern ist diesmal überraschend simpel. Konten von Minderjährigen lassen sich auf öffentlich stellen, wodurch selbst Leute ohne TikTok-Konto deren Inhalte sehen können. Bei 16- und 17-Jährigen kommt hinzu, dass öffentliche Inhalte im For-You-Feed fremder Nutzer auftauchen.
Die Kommission sieht darin ein erhöhtes Risiko für Grooming und Cybermobbing. Kommissionssprecher Thomas Regnier sprach ausdrücklich von „Predators“, die auf solchen Profilen unterwegs seien.
TikTok kann jetzt Stellung nehmen und Akteneinsicht verlangen. Bestätigen sich die Vorwürfe in einer Entscheidung, sind Geldbußen von bis zu 6 Prozent des weltweiten Jahresumsatzes möglich. Ein Termin dafür steht nicht fest.
Bemerkenswert ist, wie sich die Durchsetzungspraxis der Kommission gerade verschiebt. Beim Digital Markets Act hat sie vergangene Woche mit 890 Millionen Euro gegen Google erstmals kassiert, beim DSA hängt seit zwei Jahren ein Verfahren nach dem anderen in der Anhörungsphase.
Auffällig ist auch, an welcher Stelle reguliert wird. Der Vorwurf richtet sich nicht gegen die Empfehlungslogik, sondern gegen eine Voreinstellung, die ein Vierzehnjähriger mit zwei Taps umlegt. Dieselbe Verlagerung zeigt sich, wenn Amazon Händler zur Kennzeichnung fotorealistischer KI-Personen verpflichtet: Was der Gesetzgeber verlangt, landet am Ende als Schalter oder Pflichtfeld im Produkt.
Einfach erklärt
Faktencheck & Quellen
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- Europäische Kommission — Pressemitteilung IP/26/167995Amtliche Quelle · 3/3 bestanden
- EU-Kommission, Digital Strategy — preliminary findings on minors' accounts88Amtliche Quelle · 13/14 bestanden
- Fortune — EU says TikTok failed to protect children's privacy90Redaktionsmedium · 16/16 bestanden