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Anthropics Mythos senkt den Angriffsaufwand auf HAWK-256 von 2^64 auf 2^38

Ein unveröffentlichtes Anthropic-Modell fand zwei neue kryptografische Angriffe: einen auf den Post-Quanten-Kandidaten HAWK, einen auf eine verkürzte AES-Variante. Produktivsysteme sind laut Anthropic von beidem nicht betroffen.

Anthropic hat am 28. Juli 2026 zwei kryptografische Angriffe veröffentlicht, die ein unveröffentlichtes Modell namens Claude Mythos Preview gefunden hat. Der erste betrifft HAWK, ein Signaturverfahren, das in der dritten Runde des NIST-Wettbewerbs für Post-Quanten-Kryptografie steht.

Das Modell entdeckte eine bis dahin unbekannte mathematische Symmetrie im Verfahren und leitete daraus einen verbesserten Angriff zur Schlüsselrückgewinnung ab. Für den kleinen Parametersatz HAWK-256 sinkt der geschätzte Aufwand von 2^64 auf 2^38 Rechenschritte. In der Praxis heißt das: Der geheime Schlüssel wurde auf einem einzelnen Server in wenigen Stunden zurückgewonnen.

Der zweite Angriff richtet sich gegen AES, allerdings gegen eine auf sieben Runden verkürzte Forschungsvariante. Dort baute das Modell auf einem Meet-in-the-Middle-Angriff auf und entwickelte ein Fingerprinting-Verfahren, das Anthropic „Möbius Bridge“ nennt. Es ist unabhängig von einer der zu erratenden Größen und spart damit eine komplette Aufzählungsstufe, was den Aufwand um den Faktor 256 senkt. Insgesamt ist der Angriff 200- bis 800-mal schneller als der bisher beste, an dem seit 2013 niemand etwas verbessert hatte.

Anthropic schreibt selbst den entscheidenden Satz dazu: Keines der beiden Ergebnisse habe praktische Auswirkungen auf heutige Computersysteme, keine Produktivsoftware müsse deshalb geändert werden. Das vollständige AES-128 mit zehn Runden bleibt unberührt, HAWK ist nicht im Einsatz.

Bemerkenswerter als die Ergebnisse ist die Kostenrechnung. Für den HAWK-Angriff nennt Anthropic rund 100.000 Dollar API-Kosten und etwa 60 Stunden, für den AES-Angriff ebenfalls rund 100.000 Dollar bei über einer Milliarde erzeugten Tokens über mehr als drei Tage.

Der Aufwand verschob sich dabei nur, er verschwand nicht. Der weitaus größte Teil der Monate ging laut Anthropic dafür weg, die Korrektheit der Ergebnisse zu prüfen. Die Maschine findet also schneller, als Menschen nachrechnen können, und das ist die eigentliche Engstelle.

Parallel hat Anthropic mit Forschenden der ETH Zürich und der Universität Tel Aviv einen Benchmark namens CryptanalysisBench aufgesetzt: 191 Aufgaben über sechs Familien kryptografischer Primitive, überwiegend aus NIST-Wettbewerben, damit sich vergleichbare Fähigkeiten anderer Modelle messen lassen.

Die Debatte darüber, wie solche Fähigkeiten zu bewerten sind, lief zum selben Zeitpunkt an anderer Stelle. FBI-Vizeabteilungsleiter Todd Hemmen nannte Mythos am 28. Juli eine Herausforderung für die Strafverfolgung, laut FedScoop das erste Mal, dass ein hochrangiger US-Beamter ein einzelnes KI-Modell so einordnet. Als Beispiele werden Zero-Day-Lücken in OpenBSD und FFmpeg genannt, gefunden für unter 50 Dollar pro Durchlauf.

Der Vergleich zur Vorwoche liegt nahe. Das britische AI Security Institute hat Kimi K3 auf Cyberfähigkeiten geprüft, also ein offenes Modell mit demselben Fragenkatalog. Und Anthropic hatte kurz zuvor erst Claude Opus 5 vorgestellt, womit Mythos ein noch stärkeres, weiterhin nicht ausgeliefertes Modell wäre.

Für die Praxis bleibt vorerst nichts zu tun. Wer HAWK bereits testweise einsetzt, sollte den weiteren Verlauf des NIST-Verfahrens verfolgen, denn dort entscheidet sich, ob der Kandidat mit halbierter effektiver Schlüssellänge in der Auswahl bleibt.

Einfach erklärt

Faktencheck & Quellen

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Anthropic Research — Discovering cryptographic weaknesses with Claude (Primärquelle) — Offizieller Kanal. Basis 46 (Offizieller Kanal) + Transparenz 10 + Prüfbilanz 30 (34/34 bestanden). Klick öffnet die Quelle.the decoder — Anthropics KI-Modell Mythos Preview findet Schwachstellen in kryptografischen Algorithmen — Fach-Quelle. Basis 35 (Fach-Quelle) + Transparenz 20 + Prüfbilanz 26 (13/14 bestanden). Klick öffnet die Quelle.The Quantum Insider — AI Finds New Weaknesses in Cryptographic Algorithms, Anthropic Says — Fach-Quelle. Basis 35 (Fach-Quelle) + Transparenz 20 — Prüfbilanz erst ab 3 Prüfungen (bisher 1). Klick öffnet die Quelle.FedScoop — FBI sees Anthropic's Mythos as a law enforcement challenge — Redaktionsmedium. Basis 40 (Redaktionsmedium) + Transparenz 15 — Prüfbilanz erst ab 3 Prüfungen (bisher 1). Klick öffnet die Quelle.Simon Willison — Discovering cryptographic weaknesses with Claude — Fach-Quelle. Basis 35 (Fach-Quelle) + Transparenz 10 + Prüfbilanz 30 (4/4 bestanden). Klick öffnet die Quelle.The Hacker News — Claude AI Just Cracked a Post-Quantum Test Scheme and Found a Faster 7-Round AES Attack — Fach-Quelle. Basis 35 (Fach-Quelle) + Transparenz 10 + Prüfbilanz 30 (3/3 bestanden). Klick öffnet die Quelle.

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