AirTag im Buch: Amazon schneidet gekaufte Bücher für KI-Training auf
Die Nachricht ist nicht, dass Amazon Bücher scannt. Die Nachricht ist, dass die Bücher dabei kaputtgehen.
404 Media hat einen AirTag in ein seltenes Buch gelegt und die Sendung verfolgt. Sie endete in einer Amazon-Einrichtung in Las Vegas mit dem internen Kürzel VGT3, deren Logo ein Dinosaurier ziert, der ein Buch in den Klauen hält.
Dort werden gekaufte Bücher in großer Zahl angeliefert und die Buchrücken abgeschnitten. Ohne Bindung lassen sich die losen Seiten deutlich schneller durch einen Scanner ziehen. Das gedruckte Exemplar überlebt den Vorgang nicht.
Warum ausgerechnet seltene und vergriffene Titel? Weil alles, was vor 2022 gedruckt wurde, garantiert nicht von einem Sprachmodell geschrieben ist. Sauberer menschlicher Text ist zum knappen Gut geworden, und ein vergriffenes Buch existiert nirgends sonst in maschinenlesbarer Form.
Amazon erklärte gegenüber 404 Media, man kaufe Bücher „through commercial channels to improve the products and services customers use“. Auf die Frage nach der Zerstörung geht dieser Satz nicht ein.
Neu ist das Verfahren nicht. Anthropic betrieb laut einer Klage von Autoren ein vergleichbares Vorgehen unter dem Namen „Project Panama“.
Offen bleiben die beiden Fragen, die zählen: Um wie viele Bücher geht es, und hat Amazon überhaupt die Rechte an den Inhalten? Der Kauf eines Exemplars verschafft das Eigentum am Papier, nicht an dem, was darauf steht.
Der Vorgang spielt in den USA, und die dortige Fair-Use-Debatte lässt sich nicht nach Europa übertragen. Hier läuft die Auseinandersetzung über das Urheberrecht und die Schranke für Text und Data Mining, aktuell in der Konsultation der EU-Kommission. Eine Fabrikshalle voller aufgeschnittener Bücher ist in dieser Diskussion ein sehr konkretes Bild.
Dass Trainingsdaten inzwischen regelmäßig vor Gericht landen, zeigt auch die erweiterte Klage gegen xAI. Der Unterschied: Dort geht es um das, was aus einem Modell herauskommt. Hier um das, was hineingeht, und um ein Buch, das es danach nicht mehr gibt.
Einfach erklärt
Faktencheck & Quellen
Gefunden über: Medien-Sweep (404 Media, TechCrunch)
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- 404 Media (Originalrecherche)80Redaktionsmedium · 4/4 bestanden
- TechCrunch, 17.08.202689Redaktionsmedium · 57/58 bestanden
- The Decoder85Redaktionsmedium · 7/7 bestanden