Entschwärzte Akten: Microsoft-Direktor nannte KI-Scraping intern den größten Diebstahl von Arbeitskraft
Ein interner Microsoft-Vermerk vom Januar 2023 nennt das massenhafte Abgreifen von Nachrichtentexten fürs KI-Training „den größten Diebstahl von Arbeitskraft in der Menschheitsgeschichte“. Geschrieben hat ihn Brent Hecht, Director of Applied Science bei Microsoft. Seit dem 17. September steht der Satz unentschwärzt in den Akten.
Die Passage stammt aus einem Schriftsatz der New York Times. Die Zeitung hatte Ende Dezember 2023 vor dem US-Bundesbezirksgericht für den südlichen Bezirk von New York gegen OpenAI und Microsoft geklagt; die Verfahren laufen inzwischen gebündelt unter dem Aktenzeichen 1:25-md-03143-SHS-OTW bei Richter Sidney H. Stein. Ein großer Teil der zugrunde liegenden Anlagen bleibt versiegelt.
Hecht beließ es nicht bei der Diebstahl-Formel. Breites Scraping, hielt er fest, würde die öffentlich vorgetragene Fair-Use-Verteidigung vor Gericht zur Farce machen, im Original „a complete mockery“. Ein weiterer Vermerk aus dem Januar 2024 beschreibt den Reichweitenverlust der Verlage als „doom loop“, der Modelle und Web zugleich beschädige.
Dazu passt eine Zahl aus Microsofts eigenen Erhebungen: Der Copilot-Antwortdienst brachte der Domain der New York Times bis zu 93 Prozent weniger Klicks als die klassische Bing-Suche.
Microsoft-Sprecher Alex Haurek verwies auf die Schriftsätze des Konzerns, wonach die Nutzung transformativ und mit dem Urheberrecht vereinbar sei. TechCrunch erhielt weder von Microsoft noch von OpenAI eine Antwort. Im Microsoft-Newsroom und im Unternehmensblog „On the Issues“ steht zu den entschwärzten Dokumenten mit Stand 18. September nichts.
Praktisch ist die Wirkung enger, als die Schlagzeile vermuten lässt. Über Fair Use entscheidet das Gericht anhand der vier gesetzlichen Faktoren, und die Meinung eines Angestellten ist keiner davon. Beim vierten Faktor, dem Marktschaden, wird die interne Post trotzdem relevant: Dort ist die 93-Prozent-Zahl Beweismaterial und kein Debattenbeitrag. Wer intern „Diebstahl“ schreibt, macht seinem Arbeitgeber außerdem das spätere Argument schwer, man habe die Rechtslage gutgläubig anders eingeschätzt.
Einfach erklärt
Faktencheck & Quellen
Gefunden über: Medien-Sweep (TechCrunch, heise, Engadget) + Gegencheck Microsoft-Newsroom
Quellenlage: 4 unabhängige SträngeWie wir bewerten →
Hinweis: Die Quellenliste weiter unten auf dieser Seite enthält dieselben Links wie dieser Graph.
- TechCrunch89Redaktionsmedium · 57/58 bestanden
- heise online90Redaktionsmedium · 35/35 bestanden
- Engadget (mit Microsoft-Stellungnahme)85Redaktionsmedium · 9/9 bestanden
- Gegencheck Microsoft-Newsroom und Blog On the Issues: kein Eintrag zu den entschwärzten Akten (Stand 18.09.2026)im AufbauOffizieller Kanal