KI LegalEuropaBestätigt

EU zwingt Google: 11 Android-Funktionen für fremde KI-Assistenten, Suchdaten für Rivalen

Die Kommission hat am 16. Juli zwei bindende DMA-Entscheidungen erlassen. Google muss konkurrierenden KI-Assistenten Systemzugriff auf Android geben — mit Android 18 bis 1. August 2027 — und ab Januar 2027 anonymisierte Suchdaten an Wettbewerber und KI-Chatbots liefern.

Die Europäische Kommission hat am 16.07.2026 zwei bindende Entscheidungen gegen Google erlassen. Beide stützen sich auf den DMA, das Gesetz über digitale Märkte, das Alphabet als Gatekeeper erfasst. Die erste betrifft die Interoperabilität von Android, die zweite den Zugang zu Google-Suchdaten.

Entscheidung 1: 11 Android-Funktionen müssen auf

Google muss konkurrierenden KI-Assistenten — genannt werden in der Berichterstattung ChatGPT und Claude — Zugriff auf 11 Funktionen von Android geben, die bisher faktisch Gemini vorbehalten waren. Die Kommission ordnet sie vier Gruppen zu: Aufruf des Assistenten, Zugriff auf den Gerätekontext, Aktionen in Apps und im System sowie Nutzung geräteeigener Ressourcen wie lokaler KI-Modelle.

Praktisch heißt das: Ein fremder Assistent soll per Sprachbefehl startbar sein, app-übergreifend handeln können — die Kommission nennt ausdrücklich das Buchen eines Taxis — und in Chat-Apps Antwortvorschläge liefern dürfen.

Der Fahrplan: Umsetzung im nächsten großen Android-Release, also Android 18, spätestens bis 1. August 2027. Eine der elf Funktionen ist auf Android 19 und den 1. August 2028 vertagt; die Kommission verweist in diesem Zusammenhang auf die parallele Nutzung mehrerer Weckworte, die technisch aufwendiger ist. Fünf der elf Funktionen setzen laut Auswertung der Entscheidung eine Zertifizierung über Googles Qualified AI Assistant Programme voraus, sechs stehen jedem qualifizierten Anbieter offen.

Entscheidung 2: Suchdaten ab Januar 2027

Die zweite Entscheidung verpflichtet Google, dieselben anonymisierten Suchdaten, mit denen es die eigene Suche optimiert — Ranking-, Anfrage-, Klick- und Anzeigedaten — an konkurrierende Suchmaschinen abzugeben. Ausdrücklich zugangsberechtigt sind auch KI-Chatbots mit Suchfunktion. Die Abgabe erfolgt zu FRAND-Bedingungen, der Preis orientiert sich an den Zusatzkosten und wird für fünf Jahre festgeschrieben. Zugang bekommt nur, wer im EWR tätig ist, eine Mindestgröße und -historie nachweist und eine Sanktions- und Risikoprüfung besteht. Preisangebot und Zugang müssen bis Januar 2027 stehen.

Für die Anonymisierung schreibt die Kommission ein mehrstufiges Verfahren vor, das sie nach eigenen Angaben mit Datenschutzexperten und entlang der Entwurfs-Leitlinien zum Zusammenspiel von DMA und DSGVO entwickelt hat.

Kein Bußgeld — noch nicht

Die beiden Beschlüsse enthalten keine Geldbußen. Sie sind Spezifizierungsentscheidungen: Sie sagen Google, wie es bestehende DMA-Pflichten zu erfüllen hat. Verstößt der Konzern gegen die Vorgaben, drohen Bußgelder von bis zu 10 % des weltweiten Jahresumsatzes von Alphabet.

Googles Reaktion: Sicherheit und Privatsphäre in Gefahr

Google hat noch am 16. Juli offiziell widersprochen. Kent Walker, President of Global Affairs, schreibt im Firmenblog, die Entscheidungen gefährdeten Datenschutz- und Sicherheitsschranken für Millionen Europäer; das Android-Urteil vergebe sensible Geräteberechtigungen an fremde Apps ohne die üblichen Schutzmechanismen, und private Suchanfragen würden ohne ausreichende Anonymisierung an unbekannte Firmen weitergereicht.

Deutlicher wurde Sameer Samat, bei Google für das Android-Ökosystem zuständig: Die Kommission sei mit der Auslegung von Artikel 6.7 DMA auf dem falschen Weg und steuere auf ein deutlich schlechteres Erlebnis für Android-Nutzer zu. Sein Gegenargument: Android erlaube Herstellern schon heute, mehrere Assistenten vorzuinstallieren, und Nutzern, zwischen ihnen zu wechseln.

Einordnung für die Praxis

Nicht verwechseln: Das ist DMA-Durchsetzung, nicht der AI Act. Wer die Fristen der KI-Verordnung im Kalender hat, findet hier keine zusätzliche Compliance-Pflicht — betroffen ist allein Alphabet. Interessant ist der Fall trotzdem, weil er die Front zwischen Brüssel und den US-Plattformen weiter verschiebt: Nach dem Streit um Suchergebnisse und Verlagsinhalte, etwa in der Klage von Verlagen gegen Google und der ZAK-Entscheidung zu Google und Perplexity, geht es nun um die Schnittstellen des Betriebssystems selbst.

Ob am Ende tatsächlich ein fremder Assistent auf europäischen Android-Geräten Taxis bucht, entscheidet sich weniger an der Frist als an der Zertifizierung: Fünf der elf Funktionen bleiben an ein Google-Programm gekoppelt. Genau dort dürfte der nächste Streit entstehen.

Einfach erklärt

Faktencheck & Quellen

Gefunden über: Quellen-Radar (EU-Kommission, DMA-Portal 16.07.2026)

Quellenlage: 5 unabhängige SträngeWie wir bewerten →

Woher diese Meldung kommtJeder Punkt ist eine Quelle — Klick öffnet sie. Farbe = Quellentyp, Zahl = Vertrauens-Score.
Google (Kent Walker, President Global Affairs) — The DMA should not undercut security & privacy for Europeans (offizielle Reaktion, 16.07.2026) — Offizieller Kanal. Basis 46 (Offizieller Kanal) + Transparenz 10 + Prüfbilanz 30 (10/10 bestanden). Klick öffnet die Quelle.Europäische Kommission — Commission provides guidance to Google for AI interoperability on Android and sharing of Google Search data under the Digital Markets Act (Primärquelle, 16.07.2026) — Amtliche Quelle. Basis 50 (Amtliche Quelle) + Transparenz 10 + Prüfbilanz 30 (4/4 bestanden). Klick öffnet die Quelle.Europäische Kommission — Alphabet specification proceedings: Interoperability for AI services (Verfahrensseite) — Amtliche Quelle. Basis 50 (Amtliche Quelle) + Transparenz 10 + Prüfbilanz 30 (4/4 bestanden). Klick öffnet die Quelle.Bratby Law — DMA Specification Decisions Explained (Auswertung der 11 Funktionen, Fristen und Zugangskriterien) — Fach-Quelle. Basis 35 (Fach-Quelle) + Transparenz 15 — Prüfbilanz erst ab 3 Prüfungen (bisher 1). Klick öffnet die Quelle.CNBC — Google required to open up to AI, search engine rivals under EU-mandated changes (16.07.2026) — Redaktionsmedium. Basis 40 (Redaktionsmedium) + Transparenz 20 + Prüfbilanz 29 (81/82 bestanden). Klick öffnet die Quelle.CNN Business — Google and Apple are clashing with the EU over the future of AI assistants (Samat-Zitat, 19.07.2026) — Redaktionsmedium. Basis 40 (Redaktionsmedium) + Transparenz 20 + Prüfbilanz 30 (10/10 bestanden). Klick öffnet die Quelle.

Hinweis: Die Quellenliste weiter unten auf dieser Seite enthält dieselben Links wie dieser Graph.

Offizieller Kanal Amtliche Quelle Fach-Quelle Redaktionsmedium Ring = offizielle/amtliche Wahrheitsquelle gleicher Eigentümer/Agentur — zählt als ein Strang

#EU#Regulierung#Google#Agenten#On-Device-KI

Teilen

← Mehr aus KI Legal

Akte: Markt · 417 Meldungen

  1. Gerücht: Grok 4.5 mit 1,5 Billionen Parametern in privater Beta
  2. 20 Mrd. Dollar für eine Wette auf eine Architektur: Chip-Start-up Etched sucht frisches Kapital
  3. EU zwingt Google: 11 Android-Funktionen für fremde KI-Assistenten, Suchdaten für RivalenSie sind hier
  4. Gemini 3.5 Pro verfehlt den Termin zum dritten Mal — Google prüft ein Zwischenmodell
  5. USA und China richten einen Gesprächskanal für KI-Vorfälle ein

Mehr zum Thema