Acer sieht die Knappheit abklingen, Intel erwartet 2027 das Gegenteil
Jason Chen, Chairman und CEO von Acer, hat laut DIGITIMES vom 20. September erklärt, die Komponentenknappheit bei PCs lasse nach. Knapp sei Speicher nur noch am oberen Ende von DDR5, bei CPUs sei die Knappheit vorbei. Chinesische Anbieter lieferten kontinuierlich nach und wirkten als Preiszerstörer.
DDR4 steckt nach Chens Darstellung sogar im Überangebot, eng bleiben LPDDR5 und DDR5-9600. Trotzdem setzten die Zulieferer über die gesamte Stückliste weiter Preiserhöhungen durch, PC-Preise stiegen weiter und drehten erst in der zweiten Jahreshälfte 2027. Samsung, SK Hynix und Micron wirft Chen in derselben Runde vor, Preise zu steuern.
Drei Tage zuvor klang es aus Santa Clara genau umgekehrt. Intel-Chef Lip-Bu Tan sagte auf dem AI Infrastructure Forum, der Speicherengpass werde 2027 schlimmer als 2026, die zusätzliche Kapazität reiche nicht. Speicherpreise liegen nach seiner Rechnung beim Fünf- bis Siebenfachen früherer Niveaus und machen 70 bis 80 Prozent der Gesamtkosten günstiger Smartphones und Notebooks aus, am härtesten trifft es Geräte unter 200 Dollar sowie Schul- und Kleinbetriebsnotebooks. Treiber ist HBM, das Fertigungs- und Packaging-Kapazität von konventionellem Speicher abzieht.
Ein echter Widerspruch ist das nicht. Chen spricht als Einkäufer über Consumer-DRAM, wo DDR4 im Überangebot liegt und sich Mainstream-DDR5 entspannt, und über den Zeitraum bis Mitte 2027. Tan spricht über HBM und dessen Verdrängungswirkung auf konventionellen Speicher, und über 2027 bis teils 2028. Der eine redet über Verfügbarkeit, der andere über Preise.
Interessengeleitet sind beide. Acer kauft Speicher ein und hat gute Gründe, Preistreiberei als künstlich darzustellen; Intel verkauft in einen Knappheitsmarkt und profitiert von der Knappheitserzählung. Bemerkenswert ist deshalb vor allem, wo Chen Tan recht gibt: bei den Preisen, die auch für ihn weiter steigen.
Die Marktdaten stützen genau diese Zwischenlage. TrendForce meldet zum 21. September im Sessiondurchschnitt 56,417 Dollar für DDR5 16 Gigabit 4800/5600, plus 0,75 Prozent; DDR4 16 Gigabit 3200 liegt bei 85,00 Dollar, minus 0,88 Prozent; der Spotpreis für DDR4 8 Gigabit 3200 steht unverändert bei 46,036 Dollar.
Seitwärts also, auf sehr hohem Niveau, DDR4 leicht schwächer. Für das dritte Quartal erwartet TrendForce beim konventionellen DRAM trotzdem 13 bis 18 Prozent höhere Vertragspreise gegenüber dem Vorquartal und bei NAND 10 bis 15 Prozent, mit Hinweis auf nachlassende Consumer-Nachfrage.
Den härtesten Beleg unter Chens Aussage lieferte am 20. September CXMT: Massenproduktion der fünften DRAM-Generation, hergestellt mit Quadruple Patterning, Zellabstand 11,95 Nanometer, mindestens 50 Prozent mehr Gross-Die pro Wafer, dazu zwei LPDDR5X-Dies mit 24 Gigabit. Genau das ist der Nachschub, den Chen meint.
Ob er reicht, glauben andere nicht: SK Hynix rechnet mit Speicherknappheit bis Ende 2030, und Google hat den Speicherhunger von Android-Apps gedeckelt, ausdrücklich mit Speicherpreisen begründet. Der nächste harte Datenpunkt kommt am 30. September, wenn Micron Quartalszahlen vorlegt.
Einfach erklärt
Faktencheck & Quellen
Gefunden über: Medien-Sweep (DIGITIMES) mit Marktdaten von TrendForce
Quellenlage: 3 unabhängige SträngeWie wir bewerten →
Hinweis: Die Quellenliste weiter unten auf dieser Seite enthält dieselben Links wie dieser Graph.
- DIGITIMES (Acer, 20.09.2026)80Redaktionsmedium · 7/7 bestanden
- DIGITIMES (Intel, 17.09.2026)80Redaktionsmedium · 7/7 bestanden
- TrendForce DRAM-Spotpreise75Fach-Quelle · 13/13 bestanden
- TrendForce Q3-Preisausblick75Fach-Quelle · 13/13 bestanden
- Seoul Economic Daily (CXMT, 20.09.2026)80Redaktionsmedium · 8/8 bestanden