Microsoft bedient zuerst die eigenen Copilot-Produkte, Azure-Kunden warten
Microsoft legt am 29. Juli Quartalszahlen vor. Vorher verdichten sich Berichte, dass der Konzern seine knappe KI-Rechenkapazität intern verteilt, bevor Kunden drankommen.
Die Reihenfolge hat CFO Amy Hood selbst so beschrieben: zuerst M365 Copilot und GitHub Copilot, dann Forschung und Entwicklung, was danach übrig bleibt, geht ins Azure-Kundengeschäft.
Investiert wird dabei kräftig. Rund 190 Milliarden Dollar Capex stehen für dieses Jahr an, wobei das der Gesamt-Capex des Konzerns ist und nicht ausschließlich KI-Rechenzentren. Azure bleibt nach eigener Aussage mindestens bis 2026 kapazitätsbeschränkt.
Was berichtet, aber nicht bestätigt ist
Business Insider schreibt, Microsoft prüfe wegen des Engpasses Kapazität außerhalb der eigenen Rechenzentren, unter anderem bei Amazon und Google. Ebenfalls dort berichtet: angehobene Vertriebsquoten für Azure, teils um 30 Prozent.
Beides ist nicht offiziell bestätigt. Sollte der erste Punkt stimmen, wäre die Pointe schwer zu überbieten, weil Microsoft dann bei genau den Wettbewerbern einkauft, gegen die es Azure verkauft.
Warum die Börse skeptisch bleibt
Die Aktie notiert nahe einem Einjahrestief. Der Grund ist die Kombination aus Rekordinvestitionen und einem Auslieferungsengpass, also viel Geld hinein bei begrenzt lieferbarem Umsatz heraus.
Dasselbe Muster war zuletzt bei Alphabet zu sehen, wo hohe Investitionen den freien Cashflow ins Minus drehten. Bei Microsoft kommt hinzu, dass der Engpass sichtbar auf Kundenseite landet.
Für Azure-Kunden ist die Reihenfolge das eigentliche Thema. Wer Kapazität für ein Projekt eingeplant hat und dann in der Warteschlange hinter den hauseigenen Copilot-Produkten steht, kalkuliert beim nächsten Vertrag anders. Eine angehobene Vertriebsquote hilft in dieser Lage wenig, weil der Verkäufer nichts liefern kann, was die Rechenzentren nicht hergeben.
Ein Wort noch zur Sprache: „Rationierung“ ist die Vokabel der Berichterstattung, nicht Microsofts. Der Konzern spricht von Priorisierung bei wachsender Nachfrage. Der Unterschied ist mehr als kosmetisch: Priorisierung klingt nach Steuerung, Rationierung nach Mangel.
Am 29. Juli wird interessant sein, ob Microsoft das Azure-Wachstum weiterhin als nachfragebegrenzt oder als angebotsbegrenzt beschreibt. Diese eine Formulierung sagt mehr über die nächsten Quartale als die Capex-Zahl.
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- The Next Web85Redaktionsmedium · 15/15 bestanden
- Yahoo Finance49Aggregator · 34/35 bestanden
- WindowsForumim AufbauFach-Quelle