BigBrotherAwards: Negativpreis für den Digitalen Omnibus der EU-Kommission
Der Digitale Omnibus der EU-Kommission hat den BigBrotherAward 2026 in der Kategorie Europa bekommen. Verliehen hat Digitalcourage die Negativpreise am Freitag, 25. September, in der Hechelei in Bielefeld, zum 26. Mal; moderiert hat Ralph Caspers von der „Sendung mit der Maus“.
Die Laudatio zum Omnibus trifft einen Punkt, der in der juristischen Debatte bisher vorsichtiger formuliert wird: Das Vorhaben drohe personenbezogene Daten unter bestimmten Bedingungen für eigentümerlos zu erklären. Nutznießer wären Technologiekonzerne und die Werbewirtschaft, zulasten abgeschwächter Datenschutzgarantien. Dass die Werbewirtschaft dabei kein abstrakter Adressat ist, zeigte in derselben Woche die Recherche, nach der gehandelte Werbedaten zu Wohnorten österreichischer Sicherheitsbeamter führen.
Die übrigen fünf Preise gingen nach Deutschland. In der Kategorie Behörden und Verwaltung traf es Bundesinnenminister Alexander Dobrindt, seinen zweiten Big Brother Award. In der Technik-Kategorie wurden Apollo Optik und Fielmann ausgezeichnet, begründet mit Smart Glasses.
Den Präventiv-Preis bekam die Deutsche Telekom für die Fusionspläne mit ihrer US-Tochter T-Mobile US. In der Kategorie Zivilgesellschaft wurde die Evangelische Nordkirche bedacht, in der Kategorie Jung und Überwacht das Social-Media-Verbot für junge Menschen. Die Begründung von Digitalcourage über alle Kategorien: Die Ausgezeichneten nehmen Datenschutz nicht ernst.
Eine eigene KI-Kategorie gibt es 2026 nicht. Der KI-Bezug läuft über zwei Umwege: Digitaler Omnibus heißt das Paket, mit dem DSGVO und AI Act gemeinsam aufgeweicht werden sollen, und die Begründung bei Fielmann und Apollo Optik zielt auf Kameras am Kopf.
Genau dieses Omnibus-Vorhaben steckt in den Ratsdokumenten, die noyb vergangene Woche veröffentlicht hat: Der irische Kompromisstext will KI-Training auf berechtigtes Interesse stützen, der deutsche Vorschlag geht weiter. Ein Negativpreis ändert daran nichts, er landet aber mitten in den laufenden Verhandlungen.
Reaktionen der Ausgezeichneten sind in den geprüften Quellen nicht dokumentiert. Auch nicht bei der Telekom, die als einziges Unternehmen präventiv ausgezeichnet wurde, also für etwas, das noch nicht passiert ist.
Einfach erklärt
Faktencheck & Quellen
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- Digitalcourage: BigBrotherAwards 2026, Preisträger und Laudationesim AufbauOffizieller Kanal
- heise online: Big Brother Awards: Negativpreise für Digital-Omnibus, Steuer-ID und Smart Glasses90Redaktionsmedium · 35/35 bestanden
- netzpolitik.org: Fielmann und Apollo Optik erhalten Überwachungs-Oscar90Redaktionsmedium · 9/9 bestanden
- Golem.de: Big Brother Award für Telekom wegen Fusionsplänen mit T-Mobile US90Redaktionsmedium · 8/8 bestanden
- Neue Westfälische: Big-Brother-Award 2026 in Bielefeldim AufbauRedaktionsmedium